Wir hätten da noch ein paar Fragen!

Der Projektleiter Benjamin Szemkus beantwortet kritische Fragen:

Smart City sei ein unscharfes intellektuelles Konzept für junge technologieaffine «Hipster», welches wenig zur Lösung der aktuellen Herausforderungen der Städte beiträgt, so ein Statement. Was sagen Sie dazu?
Es gibt sehr viele verschiedene Ansätze, Smart City zu definieren und unbestritten ist auch, dass der Begriff aus Technologiekreisen kommt. In der Schweiz geht es bei Begriff vorweg immer um Lebensqualität für Einwohnende und den effizienten Umgang mit Ressourcen. Es herrscht oft die falsche Vorstellung, dass bei Smart City ausschliesslich neue technologische Möglichkeiten zu betrachten seien und sich somit Lösungen von selber ergeben. Technologien können einen Teil unserer Probleme lösen helfen, so z.B. Mobilitätsthemen (Sharing-Economy) oder Energieverbrauchsthemen («Verbrauchssteuerung durch künstliche Intelligenz»). Es geht aber am Ende darum, wie wir besser auf die Bedürfnisse der Einwohnenden unserer Städte und Gemeinden eingehen können und zudem die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam besser meistern. Ganz wichtig ist mir dabei, dass wir smarte Städte als Orte der Begegnung, der Arbeit, des Wohnens und Freizeit denken, für Jung und Alt und Arm und Reich, Handwerkerin oder Krankenpfleger, Studentin oder Sozialhilfeempfänger.
Smart City darf nicht ein Konzept für eine intellektuelle Elite verkommen, sonst verrennen wir uns. Die Kritik kann ich somit verstehen, aber teile diese nicht und wird in der Schweiz zumindest bei einer Mehrheit der Bewegung ganz anders gedacht.

Daten sollen helfen die richtigen Entscheidungen zu treffen und Altbewährtes soll weiterentwickelt werden. Was heisst das konkret?
Wenn Städte Daten erheben, und das tun diese an verschiedensten Stellen immer mehr, können Verwaltungen gestützt auf deren Auswertung eine sachliche Analyse machen, Lösungsvorschläge andenken und Entscheidungen treffen, die auf relativ neutralen Fakten basieren. Ohne solide Daten sind gute Entscheidungen schwierig und «verkommen» schnell zur Glaubens-, Gefühls- oder generellen Stimmungsfragen. Das ist kein guter Weg in modernen Zeiten der Aufklärung. Ein gutes Beispiel sind hier z.B. die Auswertung von Mobilitätsdaten für die Planung des Ausbaus des Verkehrsinfrastruktur.
Für mich geht es aber in einer «smarten» Stadt auch ganz zentral darum, die Möglichkeiten dieser neuen Technologien ergänzend zu nutzen, und sie zur Anpassung unserer Städte und zur Bewältigung dieser Herausforderungen einzusetzen. Sonst macht die Sache wenig Sinn. Technologie ist ein Hilfsmittel, nie Selbstzweck!
Wenn es gelingt, Einwohnende, Wirtschaft, Verwaltung, Vereine, Wissenschaft und andere Behörden einzubeziehen und gemeinsam an Lösungen arbeiten zu lassen, so ist das ein Gewinn für alle. Der Weg dahin ist aber oft etwas aufwendiger, aber die Lösungen (und unvermeidliche Fehlschläge) sind dann besser akzeptiert.

Warum konzentrieren wir in der Schweiz auf Städte und nicht auf das ganze Land (Smart Nation)? Was macht Städte zu einem geeigneten Umfeld für Innovationen?
Die Idee einer Smart Nation ist schön, aber sie ist zu komplex, um sie zu verwirklichen. Städte sind schon ausreichend komplizierte Strukturen, die aus verschiedenen oft abgeschotteten Fachstellen (Silos), Systemen, Gewohnheiten und Kulturen, Mitarbeitende und unterschiedlichste Abläufe bestehen. Zudem sind vielfältige Interessen vertreten, so dass es schwierig wird, rasch einen Konsens zu finden. Städte und Gemeinden hingegen bieten von Ihrer Grösse eine gute Möglichkeit, die Menschen einzubinden und zu ermutigen, Ihre Lebenswelt mit in die richtige Richtung zu lenken.
Zentral finde ich daneben, dass man auch in Quartieren oder sogenannten Labs arbeitet. Hier kann man konkrete Ideen entwickeln, testen und umsetzen und diese dann an anderen Orten angepasst übernehmen.

Es wird immer wieder von sechs Handlungsfeldern für Smart Cities geredet: Smart Government, Smart Economy, Smart Environment/Energy, Smart Mobility, Smart People und Smart Living. Welche dieser Themen sind die wichtigsten?
Das hängt von der Situation vor Ort und auch der Art der Projekte ab. Manchmal geht es bei den Projekten darum, ein Problem für eine Verwaltungs-Abteilung zu lösen, z. B. beim Immobilienmanagement: Wie können wir hier Technologie einsetzen, um bessere Daten über Zimmertemperaturen zu erhalten und diese dann ressourceneffizient zu regeln. Heute kann man Sensoren einbauen und Online-Daten (Temperaturen) erheben. Mit solchen Daten lösen wir in erster Linie ein energetisch technisches Problem, aber gleichzeitig kann auch die Luftqualität (z.B: CO2 Gehalt) kontrollieren und bei schlechter Luft gewarnt werden. Verkehrsleitsysteme in Städten sind ein weiteres Beispiel, so können heute relativ einfach Daten von freien Parkplätzen im gesamten öffentlichen Raum (Parkhäuser, blauen Zonen und allenfalls auch Privaten) online geteilt werden. Das verhindert ungewünschten Suchverkehr und ist ein Mehrwert für Autofahrende. Eine smarte Lösung kann oder soll sich über mehrere Themenfelder und damit Win-Win Situationen ermöglichen. So wird Mehrwert generiert. Unbestritten ist für mich, dass in den nächsten Jahren Energie- und Klimafragen sowie das Thema Mobilität für alle Schweizer Städte zentrale Herausforderungen sein werden.

Was ist aus ihrer Sicht der Sinn des Smart City Entwicklungsansatzes?

Wenn wir die Zukunft nicht mitgestalten, werden es andere für uns tun. Das möchte wohl niemand. Das Smart City Entwicklungskonzept soll bestehende Entwicklungsziele unterstützen und ergänzen. Wichtige Elemente sind dabei die noch bessere Einbindung von Partnerinnen, offen für Innovationen zu sein und vernetzter an die Dinge heranzugehen. Einzelne Themen, Herausforderungen können nicht mehr isoliert angegangen werden, sondern nur im Zusammenspiel verschiedener Bereiche kommt man zu nachhaltigen und die Menschen befriedigende Lösungen.  Dabei ist sicher auch der Wandel des Verständnisses von Verwaltungen von Bedeutung. Wichtig ist, etwas umzusetzen und zu wagen. Nichts tun, nein sagen, kann sehr teuer werden und das können wir uns langfristig nicht leisten. Deshalb bin ich überzeugt, dass Smart City als neuer Denkansatz und unterstützendes Element bessere Entwicklungen ermöglicht.