Massnahmenvorschläge, Praxisbeispiele und weiterführende Informationen: Hier finden Sie Vorschläge, wie Sie die Chancen der Elektromobilität in Ihrer Gemeinde oder Stadt nutzen können.

Warum sich der Einsatz von Elektromobilität auf kommunaler Ebene lohnt:

  • Beitrag zu Klima- und Energiepolitik
    Elektrofahrzeuge, die mit erneuerbarem Strom betrieben werden, sind energieeffizienter, haben eine bessere Gesamtökobilanz und verursachen weniger Treibhausgase als fossil betriebene Fahrzeuge. 
  • Teil einer nachhaltigen Mobilität
    Elektrofahrzeuge reduzieren die Belastung des Verkehrs auf Bevölkerung und Umwelt, z. B. durch weniger Lärm und Luftschadstoffe. Sie machen den privaten, den öffentlichen sowie den Güterverkehr nachhaltiger.
  • Nachhaltige Entwicklungen auf dem Markt
    Gemeinden und Städte unterstützen den Ausbau der Elektromobilität und Ladeinfrastruktur, indem sie sich klar positionieren, entsprechende Angebote fördern, dazu beraten und als Vorbild fungieren. So schaffen sie eine zukunftsweisende Infrastruktur und sich selbst einen Standortvorteil.
  • Günstige Betriebskosten
    Die Betriebskosten von Elektrofahrzeugen sind dank höherer Effizienz und niedrigeren Energiekosten geringer als bei fossil betriebenen Fahrzeugen. Auch die Wartungskosten sind deutlich tiefer, da weniger wartungsintensive Komponenten verbaut sind (Verbrennungsmotor, Kupplung, Getriebe).

Vier Handlungsfelder für Gemeinden und Städte

Gemeinden und Städte haben verschiedene Möglichkeiten, die Elektromobilität zu unterstützen und zu fördern. Sie können in den vier Handlungsfeldern «Planung», «Vorbildfunktion», «Infrastruktur & Dienstleistungen» und «Information & Beratung» aktiv werden.

Detaillierte Informationen zum Fördern von Elektromobilität in Gemeinden

Handlungsfeld «Planung»

Gemeinden, Städte oder Regionen entwickeln im Rahmen einer Strategie eine gemeinsame Haltung und Positionierung im Bereich Elektromobilität und definieren klare Ziele. In einem kommunalen oder regionalen Elektromobilitätskonzept konkretisieren sie, wo der grösste Handlungsbedarf besteht und wie sie diesen angehen.

Beispiel:
Elektromobilitätskonzept, Münsingen

Die Stadt Münsingen legte in ihrem Elektromobilitätskonzept Rahmenbedingungen fest, die die Elektromobilität vorantreiben und einen positiven Beitrag zur Energiewende leisten. Das Massnahmenpaket bringt Vorteile für die Gemeinde und die ganze Region: eine lokal reduzierte Feinstaub- und Lärmbelastung sowie eine verbesserte Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Zudem leistet Münsingen einen Beitrag zum Klimaschutz, indem das grosse Potenzial an erneuerbarer Energieproduktion genutzt wird.

Elektromobilitätskonzept Münsingen

Handlungsfeld «Vorbildfunktion»

Verwaltungen von Gemeinden und Städten erzeugen Verkehr, wenn sie ihre kommunalen Aufgaben wahrnehmen. Indem sie für eine möglichst nachhaltige Dienstreise- und Pendlermobilität der kommunalen Mitarbeitenden sorgen, nehmen sie eine Vorbildfunktion ein.

Um die Verwaltungsmobilität nachhaltig zu gestalten können sie Sharing-Angebote nutzen oder Ladestationen für Elektrofahrzeuge bereitstellen. Eine weitere Möglichkeit, den internen Verkehr umweltfreundlicher und effizienter zu gestalten, ist das Umstellen des kommunalen Fuhrparks auf Fahrzeuge mit alternativen Antriebsformen. Auch für Mieterinnen und Mieter kommunaler Liegenschaften können die Gemeinden und Städte Sharing-Angebote und bedarfsgerechte Ladeinfrastrukturen bereitstellen.

Beispiel:
E-Fahrzeug für Schneeräumung, Le Chenit

Le Chenit besitzt vier Elektrofahrzeuge für die kommunalen Dienste. Nach diversen Tests entschied sich der Gemeinderat für ein weiteres elektrisches Spezialfahrzeug zur Schneeräumung. Trotz der höheren Anschaffungskosten ist die Gemeinde überzeugt, in eine nachhaltige Lösung investiert zu haben. Sie profitiert langfristig von den tieferen Betriebskosten.

Kontakt: Emanuele Franchini, travaux@chenit.ch

Handlungsfeld «Information und Beratung»

Gemeinden und Städte bringen durch gezieltes Informieren und Beraten die Elektromobilität der Bevölkerung und dem lokalen Gewerbe näher und aktivieren damit wichtige Multiplikatoren. Dazu erwerben die Verantwortlichen in Gemeinden und Städten das nötige Know-how und stellen sicher, dass Informationen und Beratungsangebote im Bereich Elektromobilität einfach zugänglich sind. Mit Veranstaltungen und Sensibilisierungskampagnen machen sie die Bevölkerung und die lokalen Unternehmen mit dem Thema Elektromobilität vertraut.

Beispiel:
«Spiel Energie», Wil

Mit «Spiel Energie» animiert die Stadt Wil (SG) die Bevölkerung zu energieeffizientem und umweltbewusstem Handeln. Die Events sensibilisieren die Bevölkerung zu Energiethemen. So will die Stadt die ältere Bevölkerung animieren, gewohntes Konsumverhalten zu hinterfragen, während sie die Jüngeren in umweltbewusstem Verhalten bestärkt. Zudem organisierte die Stadt den Wiler E-Autotag, mit Informationen über E-Carsharing und kostenlosen Elektrofahrzeug-Probefahrten.

Spiel Energie Wil

Handlungsfeld «Infrastruktur und Dienstleistungen»

Gemeinden oder Städte unterstützen den Aufbau einer bedarfsgerechten Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität. Dabei nehmen sie ihre koordinierende Rolle als Planerin wahr und analysieren den künftigen Bedarf an Ladestationen. Sie klären den Umgang mit Ladeplätzen auf öffentlichem Grund. Zusätzlich koordinieren und unterstützen sie private Akteure, beim Aufbau und Betrieb öffentlich zugänglicher Ladestationen. Sharing-Angebote können Gemeinden und Städte fördern, indem sie Standorte auf öffentlichem Grund bereitstellen oder Öffentlichkeitsarbeit für sie betreiben. Durch die finanzielle Beteiligung an innovativen Pilotprojekten (z. B. Elektrobussen, E-Fahrzeugen in der City-Logistik oder für Soziale Dienste), können Gemeinden und Städte ihre Strategien weiter vorantreiben.

Beispiel:
«Zero Emission City Logistics», Lugano

Das Ziel des Pilotprojektes in Lugano ist, das Stadtzentrum von schwerem Lieferverkehr zu befreien und Güter mit leiseren und umweltschonenderen Mitteln zu transportieren. Während des Projektes werden die Pakete zentral abgeliefert und mit einem Elektrofahrzeug oder Velos/E-Velos ins Stadtzentrum ausgeliefert.

Pressemitteilung der Stadt Lugano zum Pilotprojekt

Wie erstellt man eine bedarfsgerechte Infrastruktur?

In einem ersten Schritt analysieren Gemeinden und Städte den künftigen Bedarf für ihre Ladeinfrastruktur. Es kann sinnvoll sein, diese Bedarfsanalyse gemeinsam im Verbund mit Nachbargemeinden anzugehen. Bei der Analyse sollten die Gemeinden und Städte die vier Ladebedürfnisse der Elektrofahrzeughalterinnen und -halter berücksichtigen: Home, Work, Point-of-interest und Fast. Dafür nutzen sie private Ladestationen zu Hause und am Arbeitsort sowie öffentlich zugängliche Ladestationen auf öffentlichem und privatem Grund. Die Analyse zeigt, welche Ladebedürfnisse es in den Gemeinden wo und in welchen Mengen gibt.

Weitere Informationen zum Aufbau von Ladeinfrastrukturen

Handlungsleitfaden mit Praxisbeispielen (2021), S. 25–27