Vor welchen Herausforderungen Schweizer Städte bis zum Erreichen der Klimaziele im 21. Jahrhundert stehen, wurde gestern im Rahmen des nationalen Energietages diskutiert. Sofort wurde klar: es braucht innovative Technologien und neue Gesellschaftskonzepte. Experten aus Wirtschaft, Politik und Forschung debattierten im Zürcher Volkshaus mögliche Lösungen für die Städte der Zukunft. Am gleichen Abend ehrten das Bundesamt für Energie und der Trägerverein Energiestadt auch Energiestädte, 2000-Watt-Areale und Energieschulen, die in dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle spielen.

2000-Watt-Gesellschaft: «Wenn niemand hamstert, hat es genug erneuerbare Energie für alle»

2000-Watt-Gesellschaft: Wenn niemand hamstert, hat es genug erneuerbare Energie für alle

Am Energietag 2018 vom Bundesamt für Energie im Zürcher Volkshaus wurden am 22. Oktober die Herausforderungen der Städte im 21. Jahrhundert diskutiert. Die Stadt Zürich hat die Zielvorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft vor zehn Jahren per Volksabstimmung gesetzlich verankert und seither den Energieverbrauch deutlich gesenkt. Im Video wird die Strategie der Stadt erklärt, wie diese Ziele in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts erreicht werden sollen und welche Rolle neue Technologie- und Gesellschaftskonzepte wie Smart City dabei spielen.

Wenn niemand hamstert, hat es genug erneuerbare Energie für alle

Der Weg zu einer zukunftsfähigen, ressourcenschonenden Energie- und Klimapolitik ist lang. Es braucht den Einsatz von allen, um diesen Marathon erfolgreich zu bestreiten. Thomas Blindenbacher, Leiter der Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft Schweiz, nimmt im Video von Keystone/PPR gleich den Grundgedanken des energiepolitischen Konzepts vorweg und appelliert damit an die Eigenverantwortung der gesamten Bevölkerung: «Es geht um drei Punkte: Erstens um ein bedingungsloses Bekenntnis zu erneuerbaren Energien. Zweitens um Vertrauen in unser eigenes Urteilsvermögen und drittens geht es um Achtsamkeit und Fairness. Das ist wie mit dem Kuchen früher am Kindertisch: Wenn niemand hamstert, hat es genug für alle.»

Positive Entwicklung, doch die Ziele lassen sich nicht allein realisieren

Zehn Jahre ist es her, seit sich die Stadt Zürich am 30. November 2008 als erste Schweizer Stadt per Volksabstimmung zu den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft bekannte. Seither sind die energiepolitischen Vorgaben in über 100 Schweizer Städten und Gemeinden sowie 23 der 26 Kantone in der Agenda verankert. Die neuen Zahlen der 2000-Watt-Gesellschaft Schweiz zeigen, dass sowohl der Primärenergieverbrauch wie auch die Treibhausgasemissionen im letzten Jahr zurückgegangen sind. Es bleibt aber nach wie vor viel zu tun, um das Ziel der internationalen Gemeinschaft, nämlich null Tonnen Emissionen netto, in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu erreichen. Ineffiziente Heizungssysteme und der Verkehr stellen Städte und Gemeinden mit ihrem hohen Energieverbrauch immer noch vor grosse Herausforderungen.

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Mit dem Engagement von Energiestadt zur Smart City

Am vom Bundesamt für Energie organisierten Energietag 2018 im Zürcher Volkshaus, diskutierten am 22. Oktober Experten aus Wirtschaft, Politik und Forschung, geleitet von SRF-Moderator Tobias Müller, die Frage, mit welchen Konzepten diese Herausforderungen angegangen werden sollen und inwiefern diese Ziele realisierbar sind. Eine mögliche Antwort heisst Smart City: Also intelligente Städte der Zukunft, die neue Technologien zur Verbesserung der Lebensqualität und zum schonenden Umgang mit Ressourcen einsetzen sowie optimal auf den Menschen abstimmen. «Smart» heisst für die Städte vor allem: gemeinsam! Also zusammen mit Partnern, mit einem starken Engagement der Bevölkerung, verbunden mit neuen Technologien. Aus diesem Grund fördert das Bundesamt für Energie mit dem Programm Smart City Schweiz die Kollaboration zwischen Städten, der Privatwirtschaft und der Bevölkerung. Aktuelles Beispiel ist der vom BFE initiierte Verband Smart-City-Hub, der Schweizer Städte und bundesnahe Betriebe zur Zusammenarbeit und Entwicklung von Smart-City-Projekten vereinigt.

Eine entscheidende Rolle beim Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele nehmen auch die Energiestädte, 2000-Watt-Areale und Energieschulen ein, die wie jedes Jahr am Energietag für ihre Leistungen und Erfolge geehrt wurden. Das «Energiestadt»-Label hat sich in den 30 Jahren seit der Entstehung zum wertvollen Planungsinstrument etabliert und steht heute auf kommunaler Ebene für eine zielgerichtete Energiepolitik. Das Engagement der mittlerweile über 430 Energiestädte ist die Basis zur Entwicklung zukunftsweisender Initiativen wie z.B. Smart City. Das neuere Zertifikat «2000-Watt-Areal» zeigt, wie Siedlungsgebiete bereits heute nach den Vorgaben der 2000-Watt-Ziele funktionieren können – ohne Einschränkungen der Lebensqualität.

Kleinste Energiestadt mit GOLD ausgezeichnet

Seit dem letzten Energietag 2017 wurden vier neue Quartiere mit dem Zertifikat ausgezeichnet, zuletzt das 2000-Watt-Areal Tramdepot Burgernziel in Bern. Zuwachs verzeichneten auch die Energiestädte, insgesamt 21 Gemeinden erhielten neu das Label. Bei der letzten Zertifizierungsrunde im September kamen Agglomération Delémont (JU), Lengnau (BE), Scuol (GR) und Selzach (SO) hinzu. Erfreulich ist auch, dass die MPS Schwyz die Auszeichnung «Energieschule» für ihren vorbildlichen Energieunterricht und die Sensibilisierung der künftigen Generation erhalten hat.

Besondere Erwähnung finden die Spitzenreiter der kommunalen Energiepolitik, die «Energiestädte GOLD». Ganze zwölf Städte und Gemeinden bestätigten ihre Zertifizierung. Mit Onex (GE) und den beiden Liechtensteiner Gemeinden Planken und Ruggell wurden drei neue Gemeinden mit dem höchsten Label ausgezeichnet. Bemerkenswert ist dabei die Kleingemeinde Planken. Die kleinste Energiestadt überhaupt beweist mit nur 457 Einwohnerinnen und Einwohnern, dass leistungsstarke Energiepolitik eine Frage des Willens und nicht der Grösse ist. Genau diese Motivation ist nötig, um den Dauerlauf hin zur 2000-Watt-Gesellschaft zu absolvieren.